Schreiben an Prof. Jürgenssen: (handschriftliche Ergänzungen von Dr. Jürgenssen in (BLOCKBUCHSTABEN)
Wir, Erika und Helmut Pilhar, bedauern sehr, dass sich die Auseinandersetzung betreffend unseres Kindes Olivia Pilhar derart unerfreulich entwickelt hat.
Wir müssen hierbei jedoch festhalten, dass wir aufgrund mangelnden Vertrauens den behandelnden Ärzten gegenüber, dazu bewegt wurden, Olivia der Behandlung dieser Ärzte zu entziehen und sie (Olivia) dem (den) Arzt(en) unseres Vertrauens zur weiterführenden Behandlung übergaben.
Wir ersuchen Sie, Hr. Prof. Jürgenssen, sich als weitere Ansprechperson in dieser Thematik zu erklären. Begründen wollen wir dieses Ersuchen damit, dass bereits Sie sich selbst, aber auch Dr. Mann sowie Prof. Gadner vom St. Anna-Kinderspital sich als verantwortlich erklärt haben, wir aber Sie, Hr. Prof. Jürgenssen als verantwortlicher Arzt unseres Bezirks-Krankenhauses Wr. Neustadt ansehen.
Wir ersuchen Sie, uns folgendes zu bestätigen:
Dem Kind, Olivia Pilhar, wurde „Wilmstumor“ diagnostiziert. Die Heilungschancen mit Chemotherapie, anschließend Operation und Fortsetzung der Chemotherapie wird von Ihnen mit 90% beziffert. („BEIM VERMUTETEN STADIUM II VIELLEICHT AUCH HÖHER.“) Die Heilungschancen mit alleiniger, sofortiger Operation (Entfernung Tumor inkl. rechter Niere) beziffern Sie mit 40-50%. Bei Nichtbehandlung verdoppelt sich der Tumor innerhalb von Wochen und wegen Bildung von Metastasen wird dem Kind 1⁄2 bis 1 Jahr noch zu leben eingeräumt. (Sie erklären) den Eltern gegenüber, Ihrem Wissen nach, alle Erfolg versprechende therapeutischen Maßnahmen genannt zu haben. Diese sind: Sofortiger Beginn mit einer Chemotherapie mit anschließender Operation und Fortsetzung der Chemotherapie, oder sofortige Operation ohne Chemotherapie. („DIESES GESPRÄCH IST VON DR. MANN GEFÜHRT WORDEN.“) Weiters garantieren Sie:
Olivia wird trotz erhaltener Chemotherapie in ihrem weiteren Leben Kinder bekommen können und keine, wie auch immer gearteten geistigen oder körperlichen Schäden davontragen. Die bisherigen Untersuchungen (bis Mo 22.5.95) ergaben, dass lediglich die Niere von Wilmstumor betroffen ist und alle weiteren Organe frei von Metastasen waren. Es werden sich nach der Entfernung des Tumors samt rechter Niere keine weiteren Metastasen bilden. („NACH UNSERER ERFAHRUNG IST DIES MÖGLICH, WENN DIE LT. PROTOKOLL FÜR WILMSTUMORBEHANDLUNG IN ÖSTERREICH VORGESEHENEN MASSNAHMEN GETROFFEN WERDEN. WAS ICH NICHT GARANTIEREN KANN – GENAUSO WENIG WIE ICH GARANTIEREN KANN, DASS ES BEI DER HEIMFAHRT MIT DEM AUTO KEINEN UNFALL GEBEN KANN – IST DAS AUSBLEIBEN EINER KOMPLIKATION. EINE GRANTIE WIRD NIE MÖGLICH SEIN.) Sie bestätigen weiters:
Uns Eltern mit juridischen Schritten gedroht zu haben, wenn wir die Klinik und/oder den behandelnden Arzt nicht bekannt geben. („… DA ICH NICHT WISSEN KANN, OB EINEM KURPFUSCHER GEGLAUBT WIRD.“) Dieses Schreiben in einem persönlichen Besuch von Hr. Helmut Pilhar (Vater von Olivia Pilhar) erhalten zu haben und nach eventuell erforderlichen Rückfragen bei Dr. Mann (St. Anna-Kinderspital) den Inhalt dieses Schreibens als wahr und nicht anzweifelbar zu erachten. Wir stellen ausdrücklich fest, dass unser Motiv keinen, wie auch immer gearteten religiösen Ursprung hat und verwehren uns gegen den Vorwurf, primär ein anderes Ziel als die Heilung unserer Tochter zu verfolgen. Wir als verantwortliche Eltern sehen uns gezwungen, uns um Rechtsbeistand umzusehen, sollten Sie bei Ihrer Drohung einer Anzeige gegen uns bleiben.
Olivia fühlte sich den ganzen Tag wohl.