Der Nestlé-Milchpulver-Skandal
Der Tod aus der Babyflasche in der Dritten Welt
In den 1970er-Jahren bewies der Schweizer Nahrungsmittel-Multi Nestlé, dass man keine verschreibungspflichtigen Medikamente herstellen muss, um eine globale gesundheitliche Katastrophe auszulösen. Der Konzern suchte nach neuen Absatzmärkten für sein künstliches Baby-Milchpulver und fand sie in den Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.
●Die nackten Fakten der mörderischen Vermarktung: Nestlé schickte als Krankenschwestern verkleidete Vertriebsmitarbeiterinnen („Milchschwestern“) in die Slums und Geburtskliniken. Sie verteilten kostenlose Proben des Milchpulvers an frischgebackene Mütter. Das Ziel war eine biologische Falle: Bis die Gratisproben aufgebraucht waren, war die natürliche Muttermilch der Frauen versiegt. Die Mütter waren nun gezwungen, das teure Pulver zu kaufen.
●Die tödliche Katastrophe: Da die Familien in den Slums extrem arm waren, streckten sie das teure Pulver mit viel zu viel Wasser, wodurch die Babys chronisch unterernährt wurden. Das weitaus schlimmere Problem: Den Müttern fehlte der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sterilisationsgeräten. Das Pulver wurde mit fäkalverseuchtem, verkeimtem Wasser angerührt.
●Millionen tote Babys: Die Säuglinge erlitten massive, unaufhaltsame Durchfallerkrankungen und verdursteten oder verhungerten in den Armen ihrer Eltern. Schätzungen von Organisationen wie Unicef und War on Want gehen davon aus, dass durch diese aggressive Vermarktungsstrategie jährlich bis zu 1,5 Millionen Babys starben.
●Die politischen Folgen: Der Skandal löste 1977 den historischen, weltweiten „Nestlé-Boykott“ aus. Die Empörung war so gigantisch, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1981 den Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten verabschiedete, der aggressive Werbung für Babynahrung in Entwicklungsländern verbietet. Nestlé stritt jede moralische Schuld ab und verwies darauf, dass für das verunreinigte Wasser die Infrastruktur der Länder verantwortlich sei. Bis heute gilt dieser Fall als das Paradebeispiel für skrupelloses „Konzern-Marketing über Kinderleben“.
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